Tunis
18.08.2000
Nach einer schweisstreibenden Fahrt in der brutal überhitzten Strassenbahn von Tunis (vor meinem geistigen Auge sehe ich Isabel mehrfach zusammenbrechen und dahinschmelzen) erreichen wir endlich das Bardomuseum. Hier werden die Zeugnisse der tunesischen Vergangenheit aufbewahrt, von den Phöniziern über die Römer, Vandalen, Byzantiner und Araber bis hin zu den Türken. Das Gebäude selbst entstand im 19. Jh. und diente dem damaligen Bey Mohammed II als Privatresidenz. An Prunk und Überschwang sind diese Räumlichkeiten nur schwer zu übertreffen: Malereien und Stukaturen schmücken Decken und Wände, Mosaiken die Böden und die Stockwerke werden durch Marmortreppen verbunden. Bei aller Pracht stört lediglich der Gedanke, dass der Bey sich diese bescheidene Hütte in einer Zeit errichten liess, als seine Untertanen kaum genug zu beissen hatten.

Zurück in unserem Zimmer werfen wir zum ersten Mal einen bewussten Blick aus dem Fenster. Was sich unserem Auge bietet ist ein gewaltiger Kontrast zum eben besuchten Bardomuseum: Dreckige Häuser, auf deren Dächer slumartige Hütten stehen, Abfallberge, die nicht weggeräumt werden und Baustellen, die sich wahrscheinlich seit mehreren Jahren nicht verändert haben. Die Vorstadt von Tunis ist wahrhaftig kein zweiter Besuch wert.